Hundeverhalten & Menschensicht

Kong,Schleckmatte & Co.

Spiel- oder Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Hund mental und motorisch stimulieren sollen, sind allseits beliebt. Unsere Hunde können sehr von einem gefüllten Kong profitieren, nicht nur, weil es sehr gesunde Rezepte gibt, sondern auch, weil die Bewegungsabläufe völlig anders sind als bei der üblichen Nahrungsaufnahme. Es werden andere Muskelgruppen aktiviert, er weiss nicht, welcher Inhalt ihn erwartet – das macht es spannend, insbesondere, wenn die Gabe ritualisiert ist. Die Geschmacksnerven arbeiten auf Hochtouren und – er darf denken.
Was ist zur üblichen Futteraufnahme anders?

  • Meist liegen, Kopf ist auf Höhe der Wirbelsäule oder leicht darunter
  • Den Kopf drehen
  • Den Kong mit den Pfoten festhalten
  • Mit der Zunge in die Öffnung, um an den Inhalt zu gelangen
  • Mit der Zunge die Textur des Futters ertasten (gefroren, geschmolzen, körnig, weich etc.)
  • Die Bewegung der Zunge der Textur anpassen
  • Mit der Zunge den Inhalt ins Maul bugsieren.

Bei der täglichen Futteraufnahme steht er in den häufigsten Fällen, der Kopf befindet sich weit unterhalb der Wirbelsäule, er muss das Futter ins Maul befördern – fertig. Ihr seht also, dass ein Kong eine durchaus sinnvolle und sehr bereichernde Alternative sein kann, um Gehirn und Körper zu stimulieren. Jetzt kommt das große ABER! Es lauern auch Gefahren bei der Gabe einer solchen Beschäftigung. Für einen Hund, der schnell frustet, kann ein Kong oder Ähnliches ein echtes Folterinstrument werden, insbesondere dann, wenn er hungrig ist. Faustregel ist also: einem wirklich hungrigen Hund sollte ein Teil des Futters so zur Verfügung gestellt werden, dass er es „barrierefrei“ zu sich nehmen kann und DANN folgt eine kognitive Stimulation. Die Argumentation, dass Futter in der Natur auch nicht sofort verfügbar sei, ist nur bedingt richtig und zudem nicht sehr zielführend, wenn wir sie vergleichen mit Haushunden, deren Anpassung an den Lebensrhythmus des Menschen auch die Änderung der Aktivität des Magen-Darm-Traktes und des damit verbunden Hungergefühls zur Folge hat. Es gibt aber noch mehr zu beachten. Wenn ein Hund tagsüber schon viele Situationen bewältigen musste, in denen seine Impulskontrolle und Frustrationstoleranz gefordert wurde, kann ein Kong auch zum Stressor werden, weil die „Nerven fehlen“, noch geduldig das Futter aus dem Kong zu schlecken. Wichtig ist also auch zu überlegen, WANN und ich welchen Situationen ich den Kong gebe. Woran erkennt man, dass ein Schleckspielzeug dem Hund gerade nicht gut tut? Klassische Anzeichen sind:

  • Fahrige, unkoordinierte Bewegungen
  • Zu intensives Schleckverhalten
  • Weit nach hinten gezogene Lefzen
  • Große Pupillen
  • Hecheln
  • Lautäußerungen wie Quieken oder Fiepsen- usw.

Deswegen lieber einmal zu viel schauen, ob eurem Hund gerade eine Futterbeschäftigung gut tut, als am Ende einem gestressten, gefrusteten Hund den Kong wieder abnehmen zu müssen. Vergesst nicht, Nahrung ist eine existentielle Komponente, sie sichert das Überleben, entsprechend kann sie ein sehr großer Stressor, aber auch ein sehr großer Verstärker sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.