Hundeverhalten & Menschensicht

Warum beißen Hunde?

Das Beißen ist ein neutraler Begriff, der beschreibt, dass ein Individuum den Kiefer schließt und mit den Zähnen organisches oder anorganisches Material berührt – der Begriff sagt nichts über die Intensität oder die dahinterstehende Motivation aus.

Warum ist es wichtig, den Begriff unter die Lupe zu nehmen, bevor wir uns mit dem „Hundebiss“ auseinandersetzen?

Zum einen sehen wir das Beißverhalten nicht mehr neutral, wenn wir selbiges mit einer Wertung belegen, zum anderen hilft es uns, insbesondere bei einem schon vorgefallenen Beißunfall, eine möglichst objektive und umfassende Anamnese zu erstellen.

Welche Arten von Beißen gibt es überhaupt?

Der Fang ist das Hauptwerkzeug unserer Hunde. Sie packen und zerlegen damit ihre Beute – nehmen Nahrung zu sich. Sie spielen mit dem Fang, nicht nur beim Ballspielen oder Zergeln, sondern auch bei intraspezifischer Interaktion mit dem vierbeinigen Freund von nebenan. Und: sie verteidigen sich mit dem Fang, den Zähnen. Drei völlig unterschiedliche Grundmotivationen, in denen der Fang und somit das Beißverhalten genutzt wird. Beißen ist also nicht gleich Beißen!

Was sind die häufigsten Gründe für einen Beißvorfall im familiären Kontext?

Die meisten Beißvorfälle passieren mit dem eigenen oder einem bekannten Hund (Oxley et al., 2018) – und das hat einen Grund. Unsere Hunde leben mit uns auf engstem Raum. Sehr oft unterschreiten insbesondere Kinder ihre Individualdistanz – ob das nun beim Schlafen ist oder wenn der Hund gerade auf seinem Knochen kaut. Um die Gründe zu evaluieren, ist es wichtig, sich der Emotion, die hinter diesem Verhalten steht, bewusst zu werden – meist ist es die Angst.

Warum Angst? Er ist doch aggressiv?

In sehr vielen Fällen ist das Aggressionsverhalten der einzige Ausweg, weil das Angstverhalten nicht gereicht hat, den Menschen zu signalisieren, dass es zu eng, zu viel oder zu gefährlich ist. Das ist auch der Grund, warum vielen Beißunfällen bei körperlicher Einschränkung das defensive Drohverhalten vorausgeht. Ein Glück für uns Menschen, denn das defensive Drohverhalten endet meist mit dem „Freischnappen“ und dem anschließenden Flüchten. Das ist keinesfalls eine Pauschalaussage, sondern sehr individuell. Oft sind es Mischformen oder ein Verhalten, das nicht rekonstruiert werden kann, weil schlicht keine Bezugsperson da war.

Wie sieht es bei Ressourcen aus?

Bei dem Beschützen von Ressourcen kann das Drohverhalten auch zügig offensiv werden, das liegt mitunter daran, dass Hunde, wenn es um die Ressource mit der Kennzeichnung „überlebenswichtig“ geht, deutlich impulsiver reagieren, als bei einer Kuscheleinheit. Natürlich gibt es auch hier immer Mischformen, sowohl beim körperlichen Einschränken als auch bei dem fehlerhaften Umgang mit Ressourcen. Das, was ich beschreibe, sind kleine Ausschnitte eines riesigen Themas, deswegen möchte ich das nach und nach unter die Lupe nehmen.

Welche Gründe gibt es noch?

Es wurde bei Beißvorfällen immer wieder festgestellt, dass der Hund eine vorhergehende oder akute Schmerzproblematik hatte. Wir kennen es von uns, mit Schmerzen ist unser Nervenkostüm deutlich dünner, wir sind nicht so stressresilient. Auch unsere Hunde besitzen ein Säugetiergehirn, diesen Zustand kann man also analog bei unseren Hunden beobachten. Deswegen ist das präventive Abklären und Durchchecken beim Tierarzt eine gute Idee.

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Foto: Shutterstock piotr wawrzyniuk

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