Hundeverhalten & Menschensicht

Die Sache mit den Mitbewohnern

Bei Kindern, die das erste mal ihr Geschwisterchen sehen, erlebt man häufig Unsicherheit, Überforderung und den Zwiespalt von Freude und Zweifel. Hat Mama noch genug Zeit für mich? Kuschelt Papa jetzt weniger mit mir? Werde ich das Etwas mal lieb haben?Nimmt es mir meine Spielzeuge? Fragen, die einem Kind im Kopf schwirren. Wir Eltern wissen um die Sorgen der „Großen“, deswegen führen wir sie behutsam in die neue Situation, schließlich kann ein Kind sich nicht aussuchen, ob es weiteren Familienzuwachs möchte oder nicht. Schon in der Schwangerschaft wächst das größere Kind mit und kann sich so mental vorbereiten.Wie sieht’s bei unseren Hunden aus? Wir vergesellschaften unsere Hunde mit Zugezogenen und erwarten nach kurzer Eingewöhnung, dass der erste Hund damit klar kommt. Keine Schwangerschaft, die den Hund vorbereiten könnte, kein monatelanges Kennenlernen – eher ein „wir lassen euch auf neutralem Gebiet zusammen und gehen dann nach Hause“. Er kann sich nicht aussuchen, ob wir Halter noch einen zweiten oder dritten Vierbeiner in die Familie holen. Die Frage ist nur immer, wie hoch ist der Preis? Was, wenn der erste Hund den Neuen einfach nicht mag – wenn er ihn erdulden muss. Das ist eine riesige Anpassungsleistung, die er tagtäglich vollziehen muss, ohne dass wir es merken. Irgendwann kann unerwünschtes Verhalten auftreten, von dem wir auf den ersten Blick nicht wissen, wo es seine Ursache hat. Es entstehen Allergien oder andere gesundheitliche Probleme. Hunde können keine Türe zu machen wie wir Menschen. Sie können sich auch nicht einfach ins Auto setzen und wegfahren, wenn’s zu viel wird. Sie sind gefangen mit einem Hund, den sie buchstäblich nicht riechen können. Ich glaube, und da schließe ich mich mit ein, dass wir uns zu wenig Gedanken machen, dass der (erste) Hund im Gegensatz zu uns einfach keine Wahl hat und akzeptieren muss, was wir im Leben planen. Was, wenn wir ihn einfach fragen? Was, wenn wir mit der gleichen Rücksicht zusammenführen wie wir es bei unseren Kindern handhaben? Ich bin mir sehr sicher, dass viele Hunde darüber sehr dankbar wären.

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